Gestalttherapie

Das „Paradox des Wandels“ nach Fritz Perls (1954)

„Sobald man sagt: „Ich möchte mich ändern“ – ein Programm aufstellt, wird eine Gegenkraft erzeugt. Die Psyche wehrt sich gegen Instabilität. Änderungen finden daher nur „von selbst“ statt. Nur wenn wir tiefer in uns hineingehen, in das, was wir sind, wenn wir annehmen, was da vorhanden ist und erkennen, wie wir unsere Symptome hervorbringen, dann ereignet sich der Wandel von selbst.“

Gestalttherapie

Gestalttherapie ist eine moderne Form der Psychotherapie. Sie wurde in den 50er Jahren von Fritz Perls, Lore Perls und Paul Goodman begründet. In der Tradition der Humanistischen Verfahren entstand die Gestalttherapie als sogenannte „Dritte Kraft“ nach der Psychoanalyse und dem Behaviorismus. Als humanistisches Verfahren liegt der Gestalttherapie ein ganzheitliches Weltbild zugrunde: der Mensch wird als Einheit von Körper, Seele und Geist angesehen. Ziel der gestalttherapeutischen Arbeit ist es, das Individuum dabei zu unterstützen, durch Integration unbewusster, verdrängter oder abgespaltener Anteile seine Ganzheit wiederzuerlangen.

Gestalttherapie basiert auf der Arbeit mit der menschlichen Wahrnehmung:  Erst wenn wir erkennen, was wir aktuell wahrnehmen, was wir jetzt fühlen und wie unsere Handlungsimpulse sind, wird Veränderung möglich. Dabei ist die Gestalttherapie wie keine andere Therapieform auf das Sein im Hier und Jetzt fokussiert und ermöglicht so einen effektiven Umgang mit aktuellen Belastungen.

Nachhaltige Veränderung wird gleichwohl möglich, weil im gestalttherapeutischen Prozess auch belastende frühe Lebenserfahrungen („Altes“) mit ihren Auswirkungen auf Wahrnehmung, Denken, Fühlen und Handeln im Hier und Jetzt fokussiert werden. Methodisch wird dabei zum Beispiel mit dem Rollenspiel gearbeitet. Diese Form der Bearbeitung von Erfahrungen, haben wir alle in der Kindheit im täglichen Spiel intensiv eingeübt und finden so auch im therapeutischen Rollenspiel einen guten und sicheren Zugang zu Altem. Zentrale Aspekte  früher Erlebnisse werden im hier und jetzt des Rollenspiels deutlich sichtbar und können dann in Bezug zu den aktuellen Problemen des Klienten gesetzt und bearbeitet werden. 

Der Begriff „Gestalt“ steht in der Gestalttherapie auch gleichbedeutend für „Ganzheit“. Alles Erfahrbare (eine Begegnung, eine Erinnerung, ein Gefühl) kann eine Gestalt sein.

Die Gestalttherapie hat mit ihrem Fokus auf alle Aspekte der Wahrnehmung Bezüge zur Gestaltpsychologie, die elementare Funktionsmechanismen der menschlichen Wahrnehmung definiert. So zum Beispiel die Tendenz des Menschen, Sinneseindrücke zu einem sinnvollen Ganzen zu vervollständigen – die Gestalttherapie bezeichnet dies als „Schließen einer Gestalt“.  Dabei wird eine Gestalt als organisiertes Ganzes aufgefasst, das in seiner Ganzheit mehr ist als nur die Summe seiner einzelnen Teile.

Gestalttherapeuten gehen davon aus, dass wir Menschen uns selbst in der Regel nicht als Ganzes erleben sondern bewusst nur Teile unserer Persönlichkeit wahrnehmen. Wenn es darum geht, in der Therapie unbewusste und verdrängte Persönlichkeitsanteile zu integrieren, dient dies der Ganzheit der Gestalt.

Daneben bestehen enge Bezüge der Gestalttherapie zu existenzphilosophischen Ansätzen, insbesondere unter dem Aspekt der Koexistenz (Mensch und Welt, Individuum und Gruppe). Die Ich-Du-Dialektik Martin Bubers (1878-1965) hat die Gestalttherapie maßgeblich beeinflusst. Was Martin Buber Begegnung nannte, entspricht dem, was in der Gestalttherapie unter Kontakt verstanden wird.

.Kontakt an sich besteht aus einem Prozess. Er beinhaltet das Wahrnehmen, Sich-Einlassen, Sich-Auseinandersetzen und Loslassen sich selbst und anderen gegenüber. Grenzziehungen nach innen und außen sind hierbei elementar. Auftretende Kontaktunterbrechungen- und Widerstände (z.B. in Form von Ängsten) sind Ausdruck von Störungen, die die ganzheitliche Gestaltbildung verhindern. 

Hier setzt die Gestalttherapie an: Eine sich zeigende Angst etwa, wird auf der Wahrnehmungsebene genauestens erspürt und erkundet  und der Klient dann angeleitet, mit der Angst in Kontakt zu treten. In der sogenannten Stuhlarbeit zum Beispiel wird die Angst auf einem Stuhl platziert als Gestalt sichtbar gemacht. Gelingt es, die Angst dann auch tatsächlich sprechen zu lassen, wird Unbewusstes bewusst gemacht, und kann in Bezug zu aktuellen Bedürfnissen oder Problemen gesetzt und bearbeitet werden.

Dass Methoden wie die Stuhlarbeit, die Rollenspiele und intensiven Wahrnehmungsübungen funktionieren, setzt voraus, dass Sie sich als Klient in der therapeutischen Sitzung wohlfühlen – auch wenn Sie kommen, weil Sie sich doch gerade nicht gut fühlen. Das ist kein Widerspruch: Es ist für die effektive Gestaltarbeit unerlässlich, dass Sie unsere Sitzung als sicheren Raum wahrnehmen, in dem Sie, so wie Sie sind, uneingeschränkt willkommen sind. 

In unserem Kontakt sollen Sie erleben, dass ich zutiefst an Ihrer Identität und Entwicklung interessiert bin und Sie aufmerksam im Hier und Jetzt wahrnehme.  Ich unterstütze Sie lebhaft dabei, eine erfahrungsorientierte und neugierige Haltung in unseren Sitzungen zu entwickeln, die es Ihnen ermöglicht, ungehemmt und intuitiv erlebnisorientiert zu arbeiten. Unser Kontakt findet dabei auf Augenhöhe statt, ist persönlich und vertrauensvoll.

Dass ich dabei auf der Basis des humanistischen Menschenbildes arbeite, ist ganz entscheidend, weil es ein positives Bild ist: Im Vordergrund steht der sich entwickelnde Mensch, der schwierigen Erfahrungen keineswegs hilflos ausgeliefert ist. Der Blick richtet sich vorrangig auf das, was ist, die vorhandenen Ressourcen und Potentiale.

Meiner Erfahrung nach empfinden meine Klienten diese Haltung als befreiend und inspirierend und entwickeln Neugier und Lust, sich selbst zu erkunden. Für mich ist dies jedes Mal ein einzigartiges Erlebnis, dem ich mit Respekt und Dankbarkeit begegne.

Folgende Störungsbilder stehen im Zentrum meiner therapeutischen Arbeit:

  • Chronisch depressive Verstimmung (Dysthymia),
  • Anpassungsstörungen 
  • Belastungsstörungen
  • Posttraumatische Belastungsstörungen
  • Angststörungen, insbesondere soziale Angst (Soziale Phobie)
  • Zwangsstörungen
  • Persönlichkeitsstörungen (insbesondere zwanghafte, ängstliche, abhängige Persönlichkeiten)
  • Burn-Out.
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